Sonntag, 2. Mai 2021

Arme Würstchen

 Dr. Schräg! Guten Abend!

Anruferin: Einen schönen guten Abend, Herr Doktor! Ich weiß, es ist schon spät, bitte entschuldigen Sie.

Dr. Schräg: Das macht nichts. Wie heißt es doch so schön: "Besser spät, als nie!"

Anruferin: Ach, da fällt mir aber ein Stein vom Herzen.

Dr. Schräg: Haben Sie denn sonst noch was auf dem Herzen?

Anruferin: Ja, es geht um gewisse Anrufe von Männern. Sie verstehen?



Dr. Schräg: Leider nein. Sie werden also von Männern angerufen. Aber das ist doch nichts Ungewöhnliches. Auch ich werde von Männern angerufen.

Anruferin: Das ist schon richtig, aber bei Ihnen ist es doch kostenlos für die Anrufer. Oder schicken Sie hinterher eine Rechnung?

Dr. Schräg: Nein, ich höre mir die Sorgen und Nöte der Menschen an und gebe ihnen hin und wieder auch einen Ratschlag, wenn ich kann. Das kostet aber nichts.

Anruferin: Wie schön! Also bei mir kostet es was und je länger so ein Anruf dauert, desto teurer wird es für die Kunden.

Dr. Schräg: Ah, jetzt verstehe ich. Sie arbeiten als Callgirl.

Anruferin: Girl ist gut, nächstes Jahr werde ich fünfundsiebzig!

Dr. Schräg: Donnerwetter! Sie haben aber noch eine sehr jugendliche Stimme.

Anruferin: Ja, das sagen die Männer auch immer, wenn ich ihnen mein Alter nenne.

Dr. Schräg: Ist das denn nicht, wie soll ich sagen … geschäftsschädigend für Sie?

Anruferin: Nein, wo denken Sie hin. Im Gegenteil! Die meisten Anrufer werden dann erst richtig scharf und merken gar nicht mehr, dass die Uhr läuft.

Dr. Schräg: Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Verzeihung, ich wollte Sie nicht beleidigen.

Anruferin: Schon gut. Mich kann man nicht so schnell beleidigen. Aber hören Sie mal, Sie sind doch Psychologe und verstehen das trotzdem nicht?

Dr. Schräg: Man lernt nie aus, auch nicht in meinem Beruf. Aber vielleicht klären Sie mich ja noch auf?

Anruferin: Sie müssen sich das so vorstellen. Die Männer, die mich anrufen, erwarten für ihr Geld eine ganz bestimmte Dienstleistung. Sie können mich nicht sehen, mich nicht berühren, aber sie hören mich. In ihrer Phantasie bin ich eine junge, attraktive Frau, die sie erregt und ihnen zur gewünschten Entspannung verhelfen soll.

Dr. Schräg: Jetzt verstehe ich noch weniger, warum die Männer …

Anruferin: Die Männer wollen mir einfach nicht glauben, dass ich schon so alt bin. Sie fragen mich Löcher in den Bauch. Zum Beispiel, ob meine Titten noch fest sind und solche Sachen.

Dr. Schräg: Jetzt verstehe ich. Sie verlängern auf diese Weise das Gespräch und es klingelt in der Kasse.

Anruferin: Ich habe die Männer bisher im wahrsten Sinn des Wortes abgesahnt, aber das kann so nicht weitergehen.

Dr. Schräg: Sie haben wirklich eine anregende Stimme. Ich kann die Männer gut verstehen, wenn sie …

Anruferin: Herr Doktor, Sie klingen ja plötzlich ganz heiser!

Dr. Schräg: Ich möchte Ihnen doch so gerne helfen. Wo liegt Ihr Problem?

Anruferin: Allmählich tun mir die Männer leid. Das sind doch eigentlich ganz arme, verklemmte Würstchen, die sich nicht trauen eine Frau mal "in echt" …

Dr. Schräg: Sind Sie wirklich schon fünfundsiebzig? Sprechen Sie weiter. Ich bitte Sie! Bitte, bitte, bitteeee!!!

2 Kommentare:

  1. Wieder einmal ein wunderbarer, typischer Dr. Schräg! Aber geht die Geschichte nicht noch ein klein wenig weiter? Jetzt wurde es gerade spannend. Kriegen die beiden sich noch? so eine Romanze bei Dr. Schräg, das wäre mal was.

    Dir liebe Grüße lieber Fred, mache weiter. Gruß Jobst

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    1. Lieber Jobst, vielen Dank für deine Anregung. Ich werde darüber nachdenken.
      Viele Grüße zurück
      Fred

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